Informationen durch Ringe und Sender

"Kranichschutz ist kein nationales Anliegen", betont Günter Nowald. "Nur länderübergreifende Maßnahmen und Erfahrungsaustausch garantieren langfristig, daß sich die Bestände dieser gefährdeten Vogelart erholen, beziehungsweise stabil bleiben. Deshalb gibt es zwischen Deutschland und Spanien Kooperationsverträge. Wir arbeiten bei den telemetrischen Beobachtungsmethoden mit den gleichen Frequenzen, so daß wir neue Auskünfte etwa über Nahrungsflächen untereinander austauschen können." Workshops mit Polen und den baltischen Staaten wiederum dienen ebenfalls dazu, Erfahrungen auszutauschen und über die Arbeit im jeweiligen Land zu berichten. Die Farb-Beringung als europaweites Projekt dient unter anderem der Erforschung des Zugverhaltens; nationale und europäische Tagungen, die mit Unterstützung der Deutschen Lufthansa stattfinden, mit Teilnehmern von China bis USA, ermöglichen einen regen Informationsfluß, der ebenfalls der Verbesserung der Lebensräume der Kraniche dient.

Alle fünf Minuten neue Daten
Deutschland ist das einzige Land innerhalb Europas, indem die Besenderung von Kranichen zur Zeit stattfindet. Der große Vorteil, so Günter Nowald: "Während die Beringung uns nur Zufallsdaten lieferte, können wir durch die Sender erstmals das Verhalten der Kraniche gezielt erforschen und Daten erfassen, die für den Schutz dieser Vögel erforderlich sind. Denn ohne exakte Informationen können wir keine effizienten (Management)-Schutzprojekte erarbeiten." Sind die Vögel besendert, beginnt die Arbeit im Feld.
Dabei werden bestimmte Kranichpaare angepeilt. Alle fünf Minuten werden Werte aufgezeichnet, die später in ein Computerprogramm eingegeben werden. Damit können die Biologen den ganzen Tagesablauf eines Kranichs verfolgen. Man kann den Bewegungsraum der Kraniche messen, weiß also relativ genau, in welchem Revier er sich aufhält. Danach wird das Gebiet untersucht, wird festgestellt, welche Beschaffenheit es hat, was es dort an Nahrung gibt und wieviel ein Kranich am Tag frißt. Unter anderem können die Biologen dadurch die Menge hochrechnen, die ganze Kranichscharen verzehren.
Alle Daten des Habitates werden ausgewertet, um das Verhalten des Vogels zu erklären und Erfahrungen zu sammeln. Nur so ist es möglich, Landschafts-, Straßen- und Schienenplanungsdaten mit den Lebensraumwerten der Kraniche abzustimmen. "Verläuft beispielsweise eine Straße zwischen Brut- und Nahrungshabitat, sind die jungen Kraniche stark gefährdet", erklärt Günter Nowald, "denn die Altvögel marschieren mit ihren Jungen einfach über die Straße. Deshalb bieten wir bei Neuplanungen Alternativen, um die Kraniche zu schützen." Erste Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen unter anderem, daß Kraniche nicht so anpassungsfähig sind wie gemeinhin angenommen wird. Die intensiv genutzten landwirtschaftlichen Monokulturen zum Beispiel eignen sich nicht für die Aufzucht von Jungen, so daß die Kraniche ihr Revier von teilweise 25 Hektar auf 120 Hektar ausdehnen müssen.
Die sehr scheuen Kraniche sind zudem gebunden an Feuchtgebiete wie etwa am Rande der Nossentiner-Schwintzer Heide. Nur in Regionen mit Flachwasser schlafen und nisten sie, denn hier finden sie den Schutz gegen Füchse, Wildschweine und streunende Hunde für sich und ihre Gelege.

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